Sevin Jned-Mahko – Zwischen zwei Welten – und genau darin liegt unsere Stärke

Apothekerin, Studium an der HHU Düsseldorf, Filialleiterin einer Apotheke in Duisburg

Ankommen in einer neuen Welt

Ich bin im Alter von fünf Jahren mit meinen Eltern nach Deutschland gekommen. Als ältestes von fünf Kindern habe ich früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen – nicht nur für mich selbst, sondern auch für meine Familie. Mein Weg zeigt, dass es möglich ist, Chancen zu erkennen und sie konsequent zu nutzen – unabhängig davon, woher man kommt. Mit sieben Jahren wurde ich eingeschult. Anfangs war vieles neu: Sprache, Schulsystem, Umgebung. Doch ich war schon immer ein offener Mensch. Das hat mir geholfen, schnell Anschluss zu finden. Ich hatte einen stabilen Freundeskreis – bestehend aus deutschen Kindern und Kindern mit Migrationshintergrund. Diese Vielfalt hat mich geprägt.

Zwei Kulturen als Stärke

Zuhause hatten wir stets viel Besuch, und unsere kurdische Kultur wurde intensiv gelebt. Meine Eltern legten großen Wert darauf, dass wir unsere Sprache beherrschen – sie war für uns ein wichtiger Teil unserer Identität. Gleichzeitig bin ich in Deutschland aufgewachsen und habe die Werte und Möglichkeiten dieses Landes kennengelernt. Für mich war das nie ein Widerspruch – sondern immer eine Bereicherung.

Bildung als Schlüssel

In der Schule war ich ehrgeizig und zielstrebig. Ich habe die 11. Klasse übersprungen und mein Abitur erfolgreich abgeschlossen. Früh stand für mich fest: Ich möchte Menschen helfen. Meine Entscheidung fiel auf das Pharmazie-Studium. Ich habe Pharmazie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf studiert und mein Studium erfolgreich abgeschlossen. Nach dem Studium absolvierte ich mein praktisches Jahr in der Apotheke. Heute bin ich seit vielen Jahren im Beruf tätig und arbeite als Filialleitung.

Beruf mit Verantwortung

Ich liebe meinen Beruf. Menschen zu beraten, ihnen Sicherheit zu geben und sie auf ihrem Weg zu mehr Gesundheit zu begleiten, ist für mich eine Aufgabe mit Sinn. Es geht nicht nur um Medikamente – sondern um Zuhören, Verstehen und individuelle Unterstützung, besonders in Prävention und Nachsorge.

Sprache als Brücke

In meinem Berufsalltag wird mir immer wieder bewusst, wie wertvoll meine Herkunft ist. Ich betreue viele Patientinnen und Patienten mit kurdischem Hintergrund. Wenn ich meine Muttersprache sprechen kann, entsteht sofort Vertrauen. Zusätzlich nutze ich auch Arabisch und mein Verständnis der türkischen Sprache. Diese Mehrsprachigkeit ermöglicht es mir, Brücken zu bauen – zwischen Menschen, Kulturen und dem Gesundheitssystem. Doch mein Engagement endet nicht in der Apotheke: Auch auf Instagram teile ich mein Wissen rund um Gesundheit und Prävention. Unter dem Namen „Apothekerin für Longevity“ informiere ich Menschen darüber, wie sie ihre Gesundheit langfristig stärken und Krankheiten vorbeugen können.

Integration und Identität

Integration bedeutet für mich nicht, die eigene Identität aufzugeben – sondern sie zu erweitern. Die deutsche Sprache zu lernen, sich im System zurechtzufinden und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, ist entscheidend.

Botschaft an die nächste Generation Bildung

ist der Schlüssel. Es wird Herausforderungen geben – aber bleibt dran, glaubt an euch und erkennt euren eigenen Wert.

Familie und Zukunft

Ich bin seit 19 Jahren verheiratet und habe zwei Kinder. Meine Familie ist mein größter Halt. Besonders wichtig ist mir, meinen Kindern unsere kurdische Kultur weiterzugeben – damit sie lernen, zwei Welten zu vereinen und daraus Stärke zu ziehen.

Alles ist möglich

Am Ende geht es nicht nur darum, was wir erreichen – sondern was wir daraus machen. Wenn wir unser Wissen nutzen, um anderen zu helfen, entsteht etwas Größeres als wir selbst. Alles ist möglich.

Zwischen zwei Welten – und genau darin liegt unsere Stärke